Ohh nein, eine Reklamation. Ein Kunde möchte einen Artikel zurückgeben und dafür natürlich auch sein Geld wieder zurückbekommen. Im allgemeinen Sprachgebrauch fordert der Kunde eine „Gutschrift“.

Im kaufmännischen Gebrauch und im Steuerrecht heisst dieser Vorgang jedoch anders: Stornorechnung

Gesetzesgrundlage

Die Ursache liegt tief versteckt in den zahlreichen deutschen Gesetzbüchern, die nämlich festlegen, was eine Gutschrift ist und was demzufolge eine Gutschrift nicht ist. Konkret geregelt wird das in diesem Fall in einem Gesetz mit dem tollen Namen Umsatzsteuer-Anwendungserlass UStAE.

Hier erklärt uns der Gesetzgeber im §14 Nr. 3, Absatz 1 UStAE, was eine Gutschrift ist. Dort ist in Satz 1 zu lesen: Eine Gutschrift ist eine Rechnung, die vom Leistungsempfänger ausgestellt wird.
Ein paar Sätze weiter wird auch erklärt, was eine Gutschrift nicht ist, nämlich: Keine Gutschrift ist die im allgemeinen Sprachgebrauch ebenso bezeichnete Korrektur einer zuvor ergangenen Rechnung.

Und genau das beschreibt eigentlich schon konkret, dass keine Gutschrift erzeugt werden soll, wenn ein Kunde zum Beispiel etwas reklamiert.

Die Problematik

Konkret wird eine Gutschrift vom Gesetzgeber mit einer Rechnung gleichgestellt. Nur, dass in diesem Fall die Rechnung der Kunde ausgestellt hat, selbst, wenn er diese gar nicht selbst geschrieben hat.
Wenn wir eine Rechnung ausstellen, müssen wir – das wissen wir alle – auf den Nettopreis die Umsatzsteuer aufschlagen und diese beim Fiskus abführen.
Wenn dein Kunde dir also nun eine Rechnung schreibt (was das gleiche ist, wie wenn Du ihm eine Gutschrift schreibst), ergibt sich, dass er die Umsatzsteuer aufschlagen und beim Finanzamt abführen muss. Ist der Kunde aber z.B. Endverbraucher (oder Kleinunternehmer), kann er das nicht. Und was passiert wohl, wenn jemand auf seiner Rechnung die Umsatzsteuer ausweist, diese aber nicht abführt? Es handelt sich um Steuerhinterziehung…

Die Lösung

Unter §14, Punkt 10 Abs. 1 UStAE regelt der Gesetzgeber die Berichtigung von Rechnungen. Danach kann eine Rechnung nur vom Rechnungsaussteller korrigiert werden und muss durch ein Dokument erfolgen, welches sich spezifisch und eindeutig auf die Rechnung bezieht. Dabei müssen, so der Gesetzestext, nur die fehlenden oder unzutreffenden Angaben ergänzt oder berichtigt werden.
Die Stornorechnung ändert also im Kontrast zur Gutschrift die ursprünglich ausgestellte Rechnung. Dadurch verändert sich auch die Umsatzsteuerschuld gegenüber dem Finanzamt bei dem, der die Rechnung ausgestellt hat. Und das bist Du und nicht dein Kunde.
Wenn Du also deinem Kunden Geld für bereits berechnete Ware rückerstatten willst, darfst Du dafür auf keinen Fall eine Gutschrift erzeugen. Stattdessen solltest Du eine Stornorechnung erstellen. Das geht übrigens, indem Du in edooli die Rechnung öffnest und dann auf „Weiterführen“ klickst. Hier kannst Du dann „Stornorechnung“ wählen.