Frühstück mit meiner Friseurin

Okay, ich gebe es zu: Als mich im Dezember letzten Jahres meine Friseurin Beate gefragt hatte, ob ich denn nicht auch einmal mitgehen möchte zum Unternehmer-Frühstück, habe ich mir echt den Kopf zerbrochen, wie ich aus dieser Nummer jetzt wohl wieder rauskomme.

Es ging um den BNI – dem Business Network International. BNI ist laut eigener Aussage das weltweit führende Netzwerk für Kontakte, Empfehlungen und Umsätze. Das läuft so ab: Wöchentlich trifft man sich zum Frühstück mit gleichgesinnten Unternehmern. Innerhalb eines „Chapters“ darf dabei jedes Gewerk nur einmal dabei sein. Das Ziel ist es nun, die anderen Unternehmer in seinem Bekanntenkreis weiterzuempfehlen – so erhält man natürlich auch selbst Empfehlungen der anderen Mitglieder.

Da man sich wöchentlich trifft, kennt man sich sehr schnell recht gut und weiß, welche Produkte und Dienstleistungen die anderen Chapter-Mitglieder anbieten, welche Vor- und Nachteile sie haben.

Mein Gast-Auftritt

Nun war ich an einem Tag im Dezember 2018 also das erste mal zu Gast beim Frühstücken mit anderen Unternehmern – etwa 35 Personen. Jeder Unternehmer hat seine Leistungen in einer kurzen, 60 Sekunden-Präsentation vorgestellt und natürlich habe auch ich das vielleicht einfachste Rechnungsprogramm der Welt vorgestellt. So gut das in 60 Sekunden eben möglich war. Obwohl ich vorher schon öfter Vorträge gehalten habe, teilweise mit mehr als 100 Zuschauern, ging mir an diesem morgen ganz schön die Düse. Vielleicht lags auch daran, dass es zeitlich so früh war, oder weil ich eben wusste, nur 60 Sekunden Zeit zu haben. Ich weiß es nicht…

Die Akquise zur Mitgliedschaft

Der Mitgliederkoordinator – offensichtlich für neue Mitglieder zuständig, war sehr bemüht, mich Mitglied für das wöchentliche „Frühschoppen“ zu gewinnen und ursprünglich wollte ich nicht wirklich. 06:30 Uhr morgens ist nicht wirklich die Zeit, in der ich rhetorische Höchstleistungen bringen kann und die anderen anwesenden Unternehmer kamen mir auch ein bisschen regional-orientiert vor. Gut, vielleicht könnte ich den ein oder anderen Unternehmer des BNI-Chapters als Kunden gewinnen – doch sind wir einmal ehrlich: Was nützen mir schon 30 neue Kunden. Davon kann weder ich, noch einer meiner Mitarbeiter leben…

Also ging ich da erstmal nicht mehr hin. Bis mich die Neugier weiter gepackt hat und ich ein 2. Mal als Gast auftrat. Gut, vielleicht hat mir auch das leckere Frühstücks-Buffet die Entscheidung dazu ein bisschen leichter gemacht. Bei meinem 2. Besuch ging alles schon ein bisschen vertrauter zu und auch meine eigene 60 Sekunden-Präsentation hatte richtig Hand- und Fuß.

Doch am Ende der Sitzung kam das, was zu erwarten war: Der Mitgliederkoordinator legte mir den Mitgliedsantrag (in Form einer „Bewerbung“) auf den Tisch und wollte eine klare Entscheidung. Die drohende Mitgliedschaftsgebühr war gar nicht mal das Problem, sondern eher die Tatsache, dass ich vom Moment dieser Unterschrift an jeden Dienstag um 06:30 Uhr auf der Matte stehen sollte, bereit für eine 60 Sekunden lange rhetorische Meisterleistung… Mit ungewissem Ergebnis: Ob sich das für mich lohnt? Ich war mehr als zweifelhaft und habe dann…

Akquise erfolgreich

…die Bewerbung ausgefüllt 🙂 Nun war ich also dabei und ging Woche für Woche zum Frühstück, habe Kontakte aufgebaut, Empfehlungen erhalten und nach einiger Zeit selbst auch Empfehlungen erhalten. Außerdem konnte ich tatsächlich auch Allianzen eingehen, die mich wirklich nach vorne bringen können und an die ich ohne meine BNI-Mitgliedschaft nie gekommen wäre.

Nicht zu unterschätzen ist die Reichweite, die man über andere Personen erzielen kann. Das war das, was ich Anfangs nicht verstanden habe und was mich so skeptisch bezüglich einer Mitgliedschaft machte: Jeder der anderen BNI-Mitglieder kennt wieder unzählige weitere Personen (und Unternehmer), denen er von nun an unsere Produkte weiterempfohlen hat. Und teilweise wurden auch diese Kontakte 3. Grades selbst wieder zu Multiplikatoren – einfach, weil ihnen das Produkt gefallen hat.

Mein erster BNI-Mitgliedertag

Vortrag von Dr. Nikolaus Förster beim BNI-Mitgliedertag

Letzte Woche war ich nun auf dem 1. Mitgliedertag des BNI. In München haben sich knapp 600 gleichgesinnte Unternehmer getroffen, um gemeinsam zu netzwerken. Neben dem Netzwerken selbst wurden auch Vorträge gegeben, wie z.B. der Vortrag „Storytelling“ von Dr. Nikolaus Förster, Herausgeber des Impulse-Magazins.

Beim Vortrag von Nikolaus (innerhalb des BNIs dutzen wir uns alle) ging es darum, wie man spannende Geschichten erzählt, die das Produktmarketing begleiten. Nach den ersten paar Minuten spannenden Belauschen des Vortrags konnte ich kaum fassen, dass schon 2 Stunden vergangen waren… In den Pausen war netzwerken angesagt. Erstaunlich wie offen die Leute dort waren, ich konnte so ziemlich jeden (und jede) anquatschen und fragen, ob sie Interesse an unserem Produkt haben. Niemand war böse und es waren tatsächlich alle ernsthaft interessiert. Das hat mir persönlich auch die Angst genommen, weitere Leute anzusprechen.

Round-Table

Am Besten gefallen hat mir der Round-Table am Mitgliedertag. Das funktioniert so: Bis zu 10 Leute, die sich bisher nicht kennen, stellen sich um einen Tisch und tauschen Visitenkarten aus. Dann stellt sich jeder in kurzen 60-Sekunden-Präsentationen vor und erklärt, was er sucht. Danach können individuelle Fragen zu den einzelnen Präsentationen gestellt werden und man kann sich mit den interessantesten Kontakten noch einmal persönlich austauschen. So konnte ich innerhalb 1 Stunde 27 neue Kontakte knüpfen, von denen ich nicht nur die Visitenkarte habe, sondern von denen ich auch weiß, was sie machen und wonach sie suchen. Und auch sie alle wissen, was ich mache, welches Produkt ich habe und wonach ich suche.

Immer wieder wurden einzelne Personen aufgerufen, die ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit einbrachten

Mein Fazit

Gut, dass ich mit meiner Friseurin mal nicht über das Wetter gesprochen habe. Ihre Einladung zum BNI empfinde ich für mich als absoluten Glücksfall, auch wenn – ehrlich zugegeben – die bisher erzielten Umsätze den ganzen Aufwand noch nicht rechtfertigen. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass die Kontakte, die ich darüber erhalten habe, langfristig weiterhelfen können – sowohl beim Anbieten von weiteren Services innerhalb von edooli, als auch beim Gewinnen neuer Kunden. Und mal ganz unabhängig vom Geschäft: Ich habe in den letzten 4 Monaten so viele neue, nette Leute kennengelernt, dass alleine dieser „Soft-Faktor“ schon richtig viel wert ist.

 


Über den Autor

Robert Wismet ist Gründer und Geschäftsführer der Rowisoft GmbH. Er hat seine Firma im zarten Alter von 16 Jahren gegründet, nachdem er zuvor seinen Vater beim Aufbau einer Automobilzuliefer-Firma unterstützt hat. Seine kaufmännische Karriere begann allerdings bereits, als er 7 Jahre alt war. Untypisch für einen Jungen, wünschte er sich zum Geburtstag einen Kinder-Kaufladen, dessen Betrieb ihn dann allerdings ziemlich genervt hat: Seine Kunden hatten alle Produkte hintenrum zurückgebracht und wieder in die Regale geräumt. So konnte der Laden ja nie Gewinne erwirtschaften…